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Mit Spaß und Bewegung wieder gesund werden

Soziales – Der Verein für krebs- und chronisch kranke Kinder hat jetzt ein Psychomotorik-Zentrum – 

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Spielen und toben und dabei den Kummer vergessen: Das ist das Ziel des neuen Therapieangebots des Vereins für krebskranke und chronisch kranke Kinder im frisch renovierten Keller der Beratungsstelle.  Foto: Verein
Vor zwei Jahren ist der Verein für krebskranke und chronisch kranke Kinder in sein neues Domizil am Heinrichwingertsweg gezogen, um sein kostenloses Hilfs- und Therapieangebot deutlich auszubauen. Seitdem hat sich eine ganze Menge getan. Am Samstag (13.) öffnete die Beratungsstelle ihre Türen für jedermann. Als der Verein für krebskranke und chronisch kranke Kinder vor knapp zwei Jahren das Mietshaus am Heinrichwingertsweg 17 frisch bezogen hatte und erstmals zu einem Tag der offenen Tür lud, waren manche Gäste, darunter viele Sponsoren, regelrecht entsetzt. „Hier wollt ihr mal ein Psychomotorik-Zentrum anbieten? Wie soll das denn gehen?“, hätten die Leute beim Anblick der dunklen, kahlen Kellerräume gefragt, erzählt Familientherapeutin Berti Stahlecker. Heute kann sie darüber lachen. Denn sie weiß, dass genau dieselben Leute am kommenden Samstag (13.) beim Tag der offenen Tür 2014 schlichtweg überwältigt und sprachlos sein werden angesichts dessen, was sich seitdem hier getan hat. Die dunklen, kahlen Kellerräume haben sich in ein Spielparadies für Kinder verwandelt: Ein Gymnastikraum mit Kletterwänden, Balancierbalken und weichen Riesen-Bauklötzen sowie ein Werkraum zum Basteln und Malen sind entstanden; Böden und Wände erstrahlen jetzt in hellen, freundlichen Farben. Hinter all dem steckt aber natürlich eine Menge Arbeit – und Geld, das nur durch die Unterstützung von Stiftung, Vereinsmitgliedern, Spendern und Sponsoren zusammengekommen ist, betont die stellvertretende Vereinsvorsitzende Helga Blechschmidt. Und nicht zuletzt auch durch die Spendenaktion „Echo hilft“ Ende 2011, bei der 266 000 Euro zusammenkamen. Und obwohl die frisch eingerichteten Räume unter der Beratungsstelle wie ein einziger großer Abenteuerspielplatz wirken, bleibt der Hintergrund doch ein ernster: Das Psychomotorik-Zentrum ist ein Therapieangebot für schwer kranke Kinder, die sich ins Leben zurückkämpfen.

Gegen Wut und Trauer antoben
„Kinder haben oft noch keine Vorstellung von der Dimension einer chronischen Erkrankung, fühlen sich aber oft seelisch traumatisiert“, erläutert Berti Stahlecker. Anders als Erwachsenen könne man ihnen nur schwer auf sprachlicher Ebene begegnen. Über ihren angeborenen Spiel- und Bewegungsdrang falle das viel leichter. „In der Bewegung können sie gegen Wut, Trauer und Zorn antoben.“ Gedacht ist das Angebot von Therapeutin Christine Gunder zum Beispiel für Kinder nach einer Chemotherapie, die noch nicht zurück in die Kita oder Schule dürfen. Oder auch für Geschwister von Schwerkranken, die häufig ähnlich traumatisiert sind wie die Patienten selbst.
Beim Tag der offenen Tür am Samstag steht das neue Angebot im Keller zwar im Fokus. Aber der Verein will auch über sein Programm insgesamt informieren, das innerhalb der vergangenen 27 Jahre stetig gewachsen ist. „Früher lag der Fokus fast ausschließlich auf krebskranken Kindern“, erläutert Stahlecker. Die räumliche Situation im dritten Stock an der Elisabethenstraße habe es nicht zugelassen, viel mehr als nur Beratung und Malstunden für Kinder anzubieten. „Nur passive Dinge also“, sagt sie. Mit der Zeit öffnete sich der Verein auch für Familien mit chronisch kranken Kindern. Und erst mit dem Einzug in die neuen Räume habe man die Begegnungsstätte schaffen können, von der alle von Anfang an geträumt haben. 50 Familien begleitet und betreut der Verein heute pro Jahr, sagt Stahlecker. Auch dann noch, wenn ein Kind den Kampf gegen seine schwere Erkrankung verliert. Denn Trauerarbeit gehört ebenso zum Angebot. Aber Stahlecker betont: „Die meisten Kinder werden wieder gesund.“ Das neue Bewegungs- und Spielangebot soll ihnen diesen Genesungsprozess künftig ein Stück leichter machen.